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23. September 2025

's pressiert, der Bus nach Külse is scho do!

Postbus (Kennzeichen IVB - 2661) mit Aufschrift "Badische Staatseisenbahnen No. 11" und "Külsheim" vor der Bahnhofswirtschaft. Sichtbar auch das Badener Wappen. Links neben der Wirtschaft die Bahnhofstoilette. Foto von 1910.

Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Wertheim, S-N 70 G 1063

20. September 2024

Festpredigt zum 80. Todestag von Pater Alois Grimm am 15. September 2024

 
 
Der folgende Text ist die Festpredigt zu seinem 80. Todestag am 15. September 2024 in der Kirche St.Martin in Külsheim durch Pater Ludger Joos SJ.  Der gebürtige Külsheimer Jesuitenpater und Widerstandskämpfer Alois Grimm wurde am 15. September 1944 wegen Wehrkraftzersetzung und Defätismus durch die Nationalsozialisten in Berlin hingerichtet.



 

Gedenktafel in der Kirche St. Michael Neu im Tisner Ried in Vorarlberg

Liebe Angehörige der weitverzweigten Familie Grimm, liebe Gemeinde,

wir haben soeben im Evangelium (Mk 8,27-35) von einem Konflikt gehört zwischen Jesus und seinem Freund Simon Petrus. Der Evangelist zitiert Jesus mit dem sehr harschen Wort: „Weg von mir, Satan!“ – Diese Szene erinnert mich am heutigen Tag an einen ganz ähnlich gelagerten Konflikt zwischen Alois Grimm und wohlmeinenden Mitbrüdern oder auch Gottesdienstbesuchern. Es ist bekannt, dass Pater Grimm von verschiedener Seite gewarnt wurde, insbesondere im Jahr 1943, in denen er in der Hauptkirche von Feldkirch sehr engagierte Fastenpredigten hielt. Wir können uns vorstellen, wie Menschen sich ganz wie Simon Petrus Sorgen machten und vielleicht sagten:

„Pater Grimm, bringen Sie sich nicht in Gefahr. Sie können doch nichts ausrichten. Die Gestapo steht schon bereit. Die werden Sie umbringen!“

Und von Alois Grimm wird berichtet, er habe auf solche Warnungen geantwortet: „Alles, was ich sage, kann ich belegen!“[1]

Wie sein Meister unterschied er ganz offensichtlich zwischen dem, was Menschen wollten und dem, was er als die Wahrheit erkannte und was er zu predigen seine Pflicht sah.

Das ist es, was mich an Alois Grimm fasziniert. Er war nicht einfach naiv. Er wusste, dass er auf einen Konflikt zusteuerte, der für ihn tödlich ausgehen konnte. Aber ganz wie sein Meister ließ er sich davon nicht abbringen. Es war seine Mission, den Unterschied zu markieren zwischen dem Machtanspruch des totalitären Nazi-Regimes und dem eigentlichen Herrn, dem allein zu dienen sich lohnt.

Und das war natürlich lebensgefährlich. Denn Adolf Hitler wollte bekanntlich keine Götter neben sich haben.

Die große Frage ist, wieso so viele Deutsche mit „Hurra“ diesen Hitler haben wollten, wieso sie ihm nachliefen und im Namen des Deutschen Volks ungeheuerliche Verbrechen zu verüben bereit waren.

Und für uns heute die noch drängendere Frage: Was können wir tun, senn in unserem Land heute offenbar ein beträchtlicher Teil der Wählerschaft eine Partei wählt, die nicht nur den Nationalsozialismus verharmlost, sondern sich ganz offenkundig derselben Parolen und völkischen Propaganda bedient, die die NSDAP einst an die Macht gebracht haben.

Ich habe dazu drei Punkte, die ich im Folgenden entfalten möchte:

Mein erster Punkt geht um die populistische Argumentationslogik, die heute wie damals offensichtlich viele Menschen in den Bann schlug: eine Logik des Misstrauens, die geeignet ist, Ohnmacht und Unzufriedenheit in Wut und Gewaltbereitschaft zu verwandeln.

Mein zweiter Punkt versucht eine Antwort zu geben auf die Frage, wie wir uns angesichts so einer populistischen Argumentationslogik verhalten können.

Und in meinem dritten Punkt möchte ich darlegen, warum wir Grund zur Zuversicht haben dürfen.

Ich beginne also mit dem ersten Punkt, der Argumentationslogik der Populisten damals und heute:

Ein sehr altes Mittel, Macht über die Herzen von Menschen zu gewinnen, besteht darin, sie in ihren Nöten und in ihrer Ohnmacht abzuholen.

Der Versucher kommt in der Wüste. Das kennen wir auch aus dem Evangelium. Wenn ein Mensch Hunger und Durst hat, dann ist er leichter versuchbar. Wenn man diesen Menschen dann davon überzeugt, dass hinter seinem Hunger und Durst ungerechte, ja bösartige Machenschaften stecken, dann wird dieser Mensch verständlicherweise wütend und – sehr oft – auch gewaltbereit.

Menschen, die so eine Dynamik schüren wollen, halten es üblicherweise nicht so genau mit der Wahrheit. Verkürzte und verfälschte Nachrichten – neudeutsch „fake news“ gehören genauso zu dieser Logik wie „Verschwörungserzählungen“.

Sehr einflussreich in den 20er-Jahre war die so genannte „Dolchstoßlegende“, nach der die kaiserlichen Soldaten im Ersten Weltkrieg „im Feld unbesiegt“ aber von den kommunistischen Revolutionären hinterrücks kampfunfähig gemacht worden seien. An diese Legende knüpften die Nazis nahtlos eine internationale jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung, sprich: von Moskau bis Washington sind alle Regierungen jüdisch-bolschewistisch unterwandert und bedrohten die Deutsche Nation.

Heute ist ist die so genannte „Islamisierung des Abendlandes“ eine wirkmächtige Verschwörungserzählung. Sie brachte schon vor Jahren Montag für Montag tausende PEgIdA-Demonstranten auf die Straßen: PEgIdA - das ist die Selbstbezeichnung „Patriotischer Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“.

Erweitert aber nicht abgelöst wurden diese Erzählungen in den letzten Jahren von verschiedenen Corona-Verschwörungen.

Die umworbene Wählerschaft wird mit diesen Horrorszenarien aufgerufen, sich endlich gegen die drohende Gefahr zur Wehr zu setzen.

„Deutsche wehrt Euch!“ malten SA-Soldaten an die Schaufenster jüdischer Geschäfte. Und auch heute sollen sich die Deutschen wehren: gegen Migranten, gegen Flüchtlinge, gegen Juden und nicht zuletzt gegen Politiker, die mit all diesen gefährlichen Gruppen unter einer Decke stecken: Bill Gates, die Europäische Kommission, die aktuelle Regierung oder das Robert-Koch-Institut.

Keinem Politiker der etablierten Parteien kann man trauen. Das ist die Kernbotschaft. Und deshalb ist es Zeit, sich selbst zu verteidigen – so die populistische Propaganda.

Mit der Behauptung einer Notwehrsituation werden dabei systematisch Tabus der politischen Kultur untergraben. Pauschalierte Schuldzuweisung und gewaltsame Sprache werden wohldosiert in den politischen Diskurs eingestreut. Wird dies kritisiert oder verurteilt, kommt prompt die Verkehrung von Täter und Opfer:

„Das muss man doch sagen dürfen …“

„Wir (Opfer) lassen uns nicht mehr das Wort verbieten …“

„Wir haben es satt und lassen uns nicht mehr alles gefallen …“

In den sozialen Netzwerken kann man beobachten, wie dann politische Ereignisse mit wütender Polemik und unverhohlenen Gewaltdrohungen kommentiert werden.

Nach dem Motto: „Wenn uns der Staat nicht verteidigt, dann verteidigen wir uns eben selbst …“

Die Zahl politisch motivierter Gewalttaten stieg in den letzten Jahren entsprechend stark an. Die Umsturzpläne von so genannten „Reichsbürgern“ um Heinrich Reuß sind dabei nur die Spitze des Eisbergs.

Natürlich gilt die Bereitschaft zu verbaler oder tätiger Gewalt nicht nur für die „völkische Szene“. Auch linker Populismus pflegt eine Sprache der Gewalt und legitimiert Gewalt. Dasselbe gilt für Islamisten.

Aber weder Linke noch Islamisten haben beim Wahlvolk so viel Resonanz wie die Rechtspopulisten. Und die große Masse politisch motivierter Straf- und Gewalttaten geht in unserem Land von Rechtsextremisten aus.

Alois Grimm hat in den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts miterlebt, wie die national-völkische Notwehrideologie der Nazis zur Staatsdoktrin wurde. Und er hat miterlebt, wie es den Nazis gelang, binnen kurzer Zeit die Weimarer Republik in einen totalitären Polizeistaat zu verwandelten. Wäre das abzuwenden gewesen?

Ich komme zu meinem zweiten Punkt: Was kann man tun angesichts einer derartigen Radikalisierung. Viele Historiker sagen, dass eine rechtzeitige Abgrenzung möglich gewesen wäre, dass aber die Christen in den 20er-Jahren nicht einig und nicht entschlossen genug waren. Wie auch heute, gab es in den Reihen der Christen nicht wenige Menschen, die der völkischen Propaganda auf den Leim gingen. Außerdem hofften viele Bischöfe, das im Sommer 1933 zustande gekommene Reichskonkordat könnte zumindest für die Kirche das Schlimmste verhindern.

Dieser Fehler soll sich nicht wiederholen. Die Deutsche Bischofskonferenz hat im Februar diesen Jahres sich klar gegen AfD und ihre nationalistische Propaganda positioniert.[2]

Aber Abgrenzung allein reicht leider nicht.

Es ist wie bei Mobbing in einer Schulklasse: Stellen Sie sich vor, wie ein Mädchen in einer Schulklasse beginnt, ein anderes Mädchen zu isolieren und zu terrorisieren. Es verbreitet falsche Dinge über die Mitschülerin und findet Anhänger, die ihr das Leben zur Hölle machen. Jetzt könnte man denken, es reicht, wenn die Lehrerin oder der Lehrer die Hauptdrahtzieherin maßregelt. Aber was passiert dann? Die Gemaßregelte wird in der Schulklasse gegen die „Petze“ hetzen und sich selbst als Opfer von Verleumdung darstellen. Anstelle mit dem eigentlichen Opfer solidarisiert sich die Klasse dann mit der von der Obrigkeit gemaßregelten Täterin.

Nein, es reicht leider nicht zu verurteilen oder zu maßregeln. Man muss mit der ganzen Klasse arbeiten. Die ganze Klasse muss sich mit der Gewalt auseinandersetzen: Täter, Mitläufer und die so genannte schweigende Mehrheit. Wenn man Mobbing mit der ganzen Gruppe thematisiert, wird meist schnell klar, dass die Gewalt, die hier ausgeübt wurde, gar nichts mit dem Mobbingopfer zu tun hat, sondern ihre Gründe ganz woanders liegen.

So ist es auch in der aktuellen Debatte um die AfD. Die Verschwörungserzählungen haben in der Regel wenig oder gar nichts mit den Sorgen der Menschen zu tun, die ihnen auf den Leim gehen.

Diese Sorgen sind in strukturschwachen Regionen durchaus gravierend: Fachkräftemangel in allen Bereichen, Niedergang der Infrastruktur, Abwanderung der Jugend und ähnliches hinterlassen die Zurückgebliebenen mit Recht ratlos und ohnmächtig. Hinzu kommt das böse Gefühl, Verlierer der Geschichte zu sein.

Es ist primäre Aufgabe der Politik, diese Probleme zu sehen und sie beherzt anzugehen.

Die Einschränkung der Rechte von Migranten ist hier allerdings der falsche Weg. Nationalismus und Ausländerfeindlichkeit lösen kein einziges Problem von strukturschwachen Regionen. Im Gegenteil.

Abschiebungslager und Abbau des Rechtsstaates machen unser Land hässlicher, aber keineswegs sicherer.

Ich komme zu meinem dritten Punkt: Ich denke, wir haben Grund zur Zuversicht.

Im Unterschied zu Alois Grimm haben wir im Jahr 2024 in ganz Deutschland eine gewisse Erfahrung mit der Leistungsfähigkeit der parlamentarischen Demokratie.

An vielen Beispielen in der Welt können wir überdies sehen, dass in Staaten, die von autoritär-nationalistischen Parteien regiert werden, kaum nachhaltige Problemlösungen gefunden werden.

Nationalismus und Verschwörungstheorien taugen nun einmal nicht zur Problemlösung. Sie stehen derselben allerdings oft genug im Weg.

Im März diesen Jahres hat der Direktor des Potsdam Instituts für Klimaforschung, Dr. Ottmar Edenhofer, in seiner Fastenpredigt bei uns in Sankt Michael, München, sehr anschaulich dargelegt, warum nur die internationale Zusammenarbeit und keineswegs ein nationalistisches Gegeneinander in der Lage ist, mit den Herausforderungen unserer Zeit fertig zu werden.[3]

In den parlamentarischen Demokratien, in denen alle Interessen vorgetragen werden können und hohe Rechtssicherheit herrscht, werden am ehesten politische Lösungen gefunden, die für alle akzeptabel sind. Diese Kompetenz durch Gewaltenteilung und politische Diskussionskultur kann uns zuversichtlich stimmen. Aber wir dürfen sie nicht verkommen lassen oder gar leichtfertig verspielen.

Ich komme zum Schluss:


Alois Grimm musste unter einer Deutschen Regierung leben, die sich als Retter und Erlöser des Deutschen Volkes inszenierte und sich dabei auch anmaßte genau definieren zu dürfen, wer als Deutscher leben darf und wer nicht.

Pater Grimm ließ sich von dieser Propaganda nicht blenden – auch nicht, als es um sein Leben ging.

Denn er hatte einen anderen Herrn und Erlöser, der ihn frei machte und unbestechlich.

Einen Herrn, der ihm half Gutes von Bösem, Wahres von Falschem zu unterscheiden.

Ein Herr, der ihn aufrichtete in aller Bedrängnis und Not.

Deshalb ist er auch für uns heute ein lichtvolles Vorbild.

In seinem Abschiedsbrief am Tag seiner Hinrichtung schrieb er:

„Ich gebe mein Leben für das Reich Gottes, das kein Ende kennt, für die Gesellschaft Jesu, für die Jugend, für die Religion unserer Heimat.“

Und der Brief endet:

„Auf Wiedersehn im Jenseits! Gelobt sei Jesus Christus!“

IN EWIGKEIT – AMEN!

Festpredigt gehalten am Sonntag, den 15. September 2024 in der Pfarrkirche Külsheim, dem Heimatort von Alois Grimm.


Ludger Joos SJ



Fussnoten
[1] Siehe die ausführliche Darstellung von Albrecht J. Schmitt, Von keiner Macht gezwungen. Lebensbild P. Alois Grimm SJ. BoD Norderstedt, 2024.

[2] Vgl. Pressemitteilung der DBK zum Beschluss der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz am 22. Februar 2024 https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/presse_2024/2024-023a-Anlage1-Pressebericht-Erklaerung-der-deutschen-Bischoefe.pdf (6.9.2024)

[3] Die Fastenpredigten 2024 können in der Mediathek der Michaelskirche nachgehört oder auch in einer gedruckten Broschüre nachgelesen werden vgl. https://www.st-michael-muenchen.de/gottesdienst/service/predigten-zum-nachhoeren/fastenpredigten ; Andreas R. Battlogg – Martin Stark (Hg) Mehr Weniger. Fastenpredigten 2024 in St. Michael. BoD Norderstedt 2024.

27. Juli 2023

Madonna am Friedhof von Franz Scholz


Aquarell mit Tusche von Franz Scholz aus dem Jahr 1962. Das Bild zeigt den Seiteneingang am Friedhof neben dem Kirchturm. Auf dem Friedhof waren zu dieser Zeit weitestgehend Holzkreuze statt Gedenksteinen aufgestellt. In der Pforte ist eine Holztüre zu sehen, die es heute nicht mehr gibt.

Das Bild war ein Geschenk an Pfarrer Paul Künzig zum silbernen Priesterjubiläum.

 


 

15. Januar 2022

Bekleidung und Kurzwaren Schäfer

 

In der Hauptstrasse gegenüber der Kapelle und neben dem Bekleidungshaus Spiesberger war das Bekleidungshaus von Peter Schäfer, der auch Kurzwaren verkaufte.

Später war in dem Geschäft der Kleinpreis Markt von Ilse Rinklin und nochmals später der Laden von Dieter Lange.

2. Januar 2022

Friseursalon Pawlik

Am Badbrunnenweg schräg gegenüber dem Badbrunnen befand sich der Friseursalon von Hermann Pawlik. Pawlik stammte aus Sternberg in Tschechien und war nach dem Krieg als Vertriebener nach Külsheim gekommen. Der Friseursalon florierte und war gut frequentiert.

Quelle: Fotoarchiv Heer, digital koloriert.
 

31. Dezember 2021

Autohaus Stang

 
In Külsheim gab es in den 1970-ern mehrere Autowerkstätten. In der Nähe der Kaserne das Autohaus Seitz, an der Bronnbacherstrasse die Werkstatt Keller und an der Haagstrasse Auto Stang. Das Bild zeigt die Garage von Gerhard Stang, der später mit der Garage und Verkaufshalle an den Ortseingang von Külsheim von Tauberbischofsheim kommend umzog. Die Werkstätten hatten jeweils auch eine Tankstelle, der Konkurrenzdruck muss entsprechend hoch gewesen sein.
Rechts im Bild Willi Strnad, der später eine eigenes Autohaus in Tauberbischofsheim eröffnete.
 

Der Schäfer Ludwig Dürr

Der Schäfer Ludwig Dürr (1930-1995) steht mit seiner Herde im Gewann Geisshecke / Frankenbrücke. Im Hintergrund ist die Flanke des Kattenbergs zu sehen. Dürr war auch bei der Firma Erhard Heußlein beschäftigt, die Schäferei alleine war sicher nicht einträglich genug.

Quelle: Fotoarchiv Heer, digital koloriert.

16. Mai 2021

Kriegerverein Külsheim 1875

Die Kämpfe der Märzrevolution ab 1848 gaben Anlass für die Bildung von Kriegervereinen. Doch nahmen derartige Bestrebungen erst nach den Kriegen von 1864, 1866 und 1870/71 in allen Teilen des Deutschen Reiches einen besonderen Aufschwung.

Kriegervereine waren ursprünglich aus Gründen der Geselligkeit gegründet worden. Sie waren zunächst weitestgehend neutral und parteipolitisch unabhängig. Mit der verstärkten Organisation der Arbeiterbewegung wurden die Vereine zunehmend zur Bekämpfung der Sozialdemokratie aufgebaut. Seit den 1880er Jahren bemühte sich die Regierung, den Ausschluss sämtlicher Sozialdemokraten und Gewerkschaftsmitglieder aus den Vereinen voranzutreiben. Nachdem vermehrt Sozialdemokraten ausgeschlossen wurden, forderten Vertreter der Partei ihre Mitglieder auf, freiwillig die Kriegervereine zu verlassen bzw. nicht einzutreten. Die Kriegervereine wurden zu einem wichtigen Instrument zur Bekämpfung der Sozialdemokratie im Deutschen Reich. (Quelle: Wikipedia).

Auch in Külsheim gab es einen Kriegerverein, nachdem ja auch viele Külsheimer Teilnehmer des Krieges 1870/71 waren, siehe das Denkmal am Külsheimer Rathaus.  

Der Külsheimer Krieggerverein entstand 1875. Im Jahr 1925 wurde anlässlich des 50-jährigen Bestehens eine Jubiläumsfahne angefertigt.


Bei Vereinen mit militärischer Verbindung waren selbstverständlich auch Abzeichen und Orden gebräuchlich. Das Foto zeigt ein Abzeichen des Külsheimer Kriegervereins (Foto von Jörg Kneucker).

Auf der linken Bandseite steht "Badischer Krieger - Bund", auf der rechten Bandseite: Militär - Verein Külsheim. Das Abzeichen ist ein reines Mitgliedsabzeichen, welches jedes Vereinsmitglied als Symbol der Zugehörigkeit erhielt. So was gibt es dann auch mit einem Anhänger von beispielsweise 25 bzw 40, was dann 25 Jahren bzw. 40 Jahren Vereinszugehörigkeit bezeugt.

 



 

 

 

Külsheimer Jugendwehr 1915

Gruppenbild der Külsheimer Jugendwehr in 1915.




Die Jugendwehr war keine Abteilung der Feuerwehr, wie man heute wohl assoziieren würde. Jugendwehren entstanden im Deutschen Kaiserreich seit den 1890er Jahren als Organisationen zur vormilitärischen Ausbildung. Einen Aufschwung erlebten sie während des Ersten Weltkrieges. Im Zentrum stand die Ausbildung in Form von Exerzieren und ähnlichen Drillmaßnahmen.

Da in Külsheim im Ersten Weltkrieg ganze 75, im Zweiten Weltkrieg sogar 156 Männer und Jungen gefallen sind, kann wohl davon ausgegangen werden, dass viele Personen auf dem Foto die Weltkriege nicht überlebt haben.

Der Trommler auf dem Bild  ist der Glaser Heinrich Reinhart. Der vierte von links in der ersten Reihe ist ein Spengler (Otto, Franz-Josef, Karl oder Ernst), seinerzeit wohnhaft am Fuss der Bergstrasse, im heutige Anwesen Adam.

2. Juli 2020

Postkarte Külsheim, Schloss mit Turm, 1930


Diese Postkarte wurde verlegt vom "Verlag Karl Beringer, Külsheim" mit der Nummer 19 5907. Die Karte zeigt die Südseite des Schlosses vom heutigen Kindergarten aus.

Wie auch auf der Postkarte Külsheim, Gasthof Engel, 1908  zu sehen ist, ist der Zugang zum Turm noch von außen auf Höhe des Daches. Heute befindet sich dieser Eingang im Speicher des heutigen, viel größeren Daches des Ostflügels.

Die Karte ist 1930 gelaufen.

30. Juni 2020

Postkarte Külsheim, Katharinenkapelle, 1900(?)


Diese Postkarte zeig die Katharinenkapelle vom Geschäft des Karl Beringer aus. Die Gruppe Männer mit dem Mädchen steht auf der damaligen Viehwaage. Hinter dem Mann links ist der geschlossene Verschlag mit der Anzeige zu sehen. 

Hersteller, Verleger und Alter der Postkarte sind nicht bekannt. Dieses Exemplar ist nicht gelaufen und trägt daher keinen Poststempel.

25. Juni 2020

Postkarte Külsheim, Kirchentreppe, 1931




Diese Postkarte wurde vom Verlag Robert Traub in Salzburg erstellt und vertrieben. Alleinverkaufsrecht hatte Karl Beringer in Külsheim. Robert Traub war ein geborener Külsheimer, der in Salzburg ein Fotoatelier betrieb, aber auch viel in seiner Heimat Külsheim fotografierte.
Die Karte zeigt einen Blick von der Kirchentreppe hinunter zum Rathaus. Rechts das Haus von Blatz/Stang, das Haus daneben ist zweigeteilt, im rechten Teil des Hauses wohnte die jüdische Familie Samuel Scheuer (+1942 Auschwitz), im linken Teil die Familie Josef Trunk.
Beim Eckhaus unten an der Hauptstraße befindet sich der Eingang noch zur Hauptstraße, heute ist der Eingang an der Spitalstrasse.
Die Karte ist 1931 gelaufen, ein Herstellungsdatum ist nicht vermerkt.

19. Juni 2020

Postkarte Külsheim, Colonialwaren Lawo, vor 1920



Diese Postkarte zeigt neben der Totalansicht Külsheims aus der Perspektive vom Fuss des Kattenbergs und Fotos vom Rathaus und Schloss vor allem ein Foto des Geschäfts "Colonialwaren Franz Otto Lawo".
Das Geschäftsgebäude aus Sandsteinblöcken wirkt sehr massiv. Es wurde nach dem grossen Külsheimer Brand in diesem Viertel von 1865 errichtet. Der Pfarrer Anton Zimmermann schrieb damals in seine Memorabilien, "Auch Kaufmann Philipp Lawo erbaute sich im Jahre 1866 dahier wo seine früheren Gebäulichkeiten standen, ganz von Stein eine neue Scheuer mit Stall und ein schönes Haus mit zwei Stockwerken und zwei gewölbten Kellern." 
Der Inhaber Franz Otto Lawo stammte aus einer Kaufmannsfamilie. Ob er die Postkarte selbst verlegt hat ist unbekannt, die Karte enthält keine Angaben über den Verleger. Interessant ist die Retuschierung des Bildes, die Hauptstraße und der Rathausbrunnen sind durch eine Art hinzugefügtem Gebüsch verdeckt.

11. Juni 2020

Postkarte Külsheim, Warenhaus Max Zucker und Andreas Geiger, 1931



Diese Postkarte ist eine kleine Sensation, da sie einige seltene Foto's aus Külsheim in den frühen 1930-er Jahren zeigt, neben der üblichen Ansicht auf Schloss, Kirche und dem Rathaus. Rechts oben die jüdische Gemischtwarenhandlung Max "Menachem" Zucker im oberen Teil der Hauptstrasse. Links unten das Sägewerk Mai am Schneidmühlweg.

In der Mitte das Schaufenster des Glas- und Porzellanhandlung Andreas Geiger, dem sogenannten "Käs-Geiger. Wenn man das Foto vergrößert, kann man im Schaufenster noch ein Täfelchen sehen worauf "Käs" zu lesen ist.
Das Geschäft befand sich am Haus hinter dem Geschäft Thum (vulgo "Thum-Binner"). Von der Hauptstraße aus sah man eine große Einfahrt in der Mitte der Scheune. In der Scheune ging es hoch in die Wohnung. Links von der Einfahrt war dieses Schaufenster. Das Mädchen auf dem Bild ist Hedwig (1917-1950, später verheiratete Gillig), die Tochter des Käs-Geiger.

Die Karte wurden vertrieben vom Verlag "Foto-Dittmann" aus Uissigheim mit dem Titel "Külsheim Post-Auto-Verbindung", gelaufen ist diese Karte 1931.

9. Juni 2020

Postkarte Külsheim, Schloss und Kirche, 1928


Diese Postkarte der "Kunstanstalt H.Volk" aus Heilbronn mit der Nummer 8068 zeigt eine Ansicht des Schlosses und der Kirche St.Martin von der Stadtmauer aus, jenseits des Amorbachgrabens, zwischen der alten Post und dem alten Feuerwehrgerätehaus. Es fällt auf, dass üppiges Grün die Szene beherrscht, sowohl bei der Stadtmauer im Vordergrund, als auch um das Schloss. Die Karte ist von vor 1921, als die Kirchturmspitze eine neue Form erhalten hat. Gelaufen ist die Karte 1928. Im Inlay ein Blick auf das Rathaus und die Kirchentreppe, rechts vom Rathaus der Rathausbrunnen.

8. Juni 2020

Postkarte Külsheim, Badischer Hof, 1907


Diese Postkarte der "Kunstanstalt H.Volk" aus Heilbronn zeigt die damalige Post mit der Mariensäule davor. Im Inlay ist das Hotel Badischen Hof abgebildet, der eigentlich Bahnhofsgebäude an der nie erstellten Bahnlinie Bronnbach nach Walldürn hätte werden sollen.
Das grosse Bild mit der Ansicht des Külsheimer Schlosses von der Bronnbacher Strasse her zeigt den Kirchturm der Kirche St.Martin mit der alten Spitze, die in 1921 umgestaltet wurde in die heutigen Form. Die Karte wurde 1907 verschickt.

2. Juni 2020

Postkarte Külsheim, Rathaus, 1944



Die Postkarte wurde erstellt vom "Verlag Alfred Dittmann, Uissigheim-Baden" mit der Nummer 1142. Die Karte ist 1944 gelaufen. Die Aufnahme zeigt das Külsheimer Rathaus mit der Kirchentreppe. Die Aufnahme wurde stark retuschiert, der Rathaus-Brunnen ist gänzlich entfernt. 

Postkarte Külsheim, Zehntscheuner, 1932


Die Postkarte wurde erstellt von der "Photographie Anstalt A.Weber, Würzburg, Randersackererstr. 12 III" und ist 1932 gelaufen. Foto Weber aus Würzburg (weber-foto.de) schreibt in der Firmengeschichte "1925 gründet Albert Weber einen Ansichtskarten-Verlag mit den damals so beliebten 'Gehfilmaufnahmen' ''. Die Karte zeigt den Schlossplatz und rechts davon die alte Zehntscheune. Im Inlay der Karte eine Aufnahme des Rathauses. Die Gedenkplatte der Krieger von 1870/71 ist hier noch mittig des Gebäudes im ersten Stock angebracht, heute ist an dieser Stelle ein Fenster. Die Gedenkplatte befindet sich heute an der Stelle des zugemauerten alten Seiteneingangs.

5. Februar 2016

Treffpunkt Rathausbrunnen

Das Külsheimer Rathausbrunnen von 1573 ist eines der Wahrzeichen der Stadt.
Er liegt günstig vor dem Rathaus, am Fuss der Kirchtreppe und an der Kreuzung Hauptstrasse, Rathausstrasse zum Boxhagel und Spitalstrasse zum Gänsberg.
Das Erdgeschoss des Rathauses ist ein großer, kühler Raum mit massivem Mauerwerk, der früher als Markthalle diente.
Daher war der Platz am Rathausbrunnen wohl auch immer ein Treffpunkt der Bürger.

(Foto Copyright Fritz/Reinhold Krug) 

Im Hintergrund das Geschäft der Keller-Schwestern. Es gab dort Kolonialwaren, Süßigkeiten ab 5 Pfennig und Kinderspielzeug. An der Treppe das Lederwaren und Raumausstattung Geschäft Düll. Foto von 1970


(Foto Copyright Fritz/Reinhold Krug) 

Foto von 1958. Interessant ist das alte Verkehrszeichen mit der roter Raute, "Hauptverkehrstrasse".

Bevor die Ortsrufanlage installiert worden war, hing Sonntags vor der Messe aus dem obeten Fenster des Rathauses eine Fahne heraus,  wenn eine Mitteilung verkündet werden sollte. Die Leute wussten, dass nach der Messe etwas verkündet wird und blieben dann am Rathaus stehen. Daher hieß es früher etwas von der Fahne herab verkünden.

6. Oktober 2015

Kirchenerweiterung St.Martin 1954

In der Folge des Zweiten Weltkriegs wurden die meisten deutsch-stämmigen Bürger aus den osteuropäischen Ländern Polen, Tschechoslowakei, Ungarn, Jugoslawien und Rumänien vertrieben.

Viele davon flüchteten ins Badische Frankenland. Sie siedelten in den Ortschaften und brachten Erneuerungen, beispielsweise begründeten sie die Glasindustrie in Wertheim. Auch in Külsheim wuchs die Bevölkerung und Neubaugebiete wurden ausgewiesen.

Die Kirche St.Martin wurde im Rahmen des Zuzugs als zu klein erachtet. Hier einige Bilder der alten Kirche. Um die vielen Bürger fassen zu können, sollte die Kirche erweitert werden. Die ersten Pläne zur Kirchenerweiterung waren bereits 1918 gereift, und auch schon Geld zur Finanzierung gespendet worden. Man begann mit dem Umbau des Turmhelms und neuen Glocken (Bericht siehe hier). Durch Inflations- und Kriegswirren konnte jedoch erst 1954 der eigentliche Umbau beginnen. Es wurde beschlossen, das Kirchenschiff zu verlängern. Der Chor sollte in seiner ursprünglichen gotischen Form erhalten bleiben, die barocken Seitenaltäre sollten wieder aufgestellt werden.


Viele freiwillige Helfer beteiligten sich an den Arbeiten. Auf diesem Bild ist der Chor bereits mit einer Bretterwand verschlossen. Frauen und Männer entfernen den Schutt der Abbrucharbeiten.

Am 29.April 1954 waren die Abbrucharbeiten des Langhauses beendet.

Die Firmen Erhard Heusslein und Anton Heusslein bekamen den Zuschlag für die Bauarbeiten. Die Zimmerarbeiten wurden von der Firma Wilhelm Füger ausgeführt.

Architekt war Hans Hess aus Tauberbischofsheim.


Feierliche Grundsteinlegung durch Pfarrer Heinrich Göbel. Gemeinde- und Stiftungsräte sind ordentlich in Frack gekleidet.Pfarrer Göbel war erst im Februar 1953 nach Külsheim gekommen. Im Juli 1953 wurde dem Kirchenumbau bereits zugestimmt.

Links ist noch die Zehntscheuer zu sehen, die fast bis zum Ende der Kirche gereicht hat.

Der Grundstein hat den Schriftzug "Marianisches Jahr, 9. Mai 1954".

Dieses Bild zeigt die Stirnseite der Zehntscheuer.

Hier ist die Zehntscheuer bereits abgerissen, und die Kirche bis zur Dachkante gemauert. Die Holzdecke wurde von der Firma Williges Düll aus Lärchenholz angefertigt.
Rechts das Haus von Wilhelm Schmitt. Die Kirchengemeinde hatte das Ökonomiegebäude erworben und für den Bau der Treppe abgerissen. Die Giebelwand wurde neu angebaut.


Die Kirche nach der Fertigstellung am 27. Juni 1955.