Der Leichenwagen - Das Tragen der Leiche ist zumutbar

Um 1930 wurde die Beschaffung eines Leichenwagens in Külsheim beantragt. Das Begraben der Toten ist eine städtische Angelegenheit, der Friedhof ist das Eigentum der Stadt. Der Gemeinderat hatte darüber zu entscheiden, da die Stadt den Leichenwagen hätte bezahlen müssen. In einer Gemeinderatssitzung wurde der Antrag jedoch abgelehnt. Zur Begründung wurde folgendes vorgetragen: "Der Gemeinderat konnte keine Wahrnehmung machen, wonach die jetzige Übung des Tragens der Leichen unhaltbar geworden wäre. Es soll deshalb an dem altbewährtem Brauch bis auf weiteres festgehalten werden".

Was war der genannte altbewährte Brauch? Es war das Aufstellen des oder der Toten vor dem Wohnhaus und das Abholen und Tragen bis in den Friedhof.

Das war natürlich keine angenehme und vor allem keine leichte Angelegenheit. Die Toten lagen 2-3 Tage im Wohnhaus und wurden dort betrauert. Bei heißem Wetter im Sommer war dabei nach drei Tagen schon einiges zu riechen. Der Sarg mit dem Leichnam wurde zur Beerdigung vom Pfarrer und den Ministranten mit Kreuz und Fahne und der Trauergemeinde vom Trauerhaus abgeholt und im Trauerschritt zum Friedhof getragen. Das Tragen des Sarges wurde von der Nachbarschaft übernommen und konnte sehr anstrengend sein, wenn der Leichnam vom Boxhagel bis hoch in den Friedhof getragen werden musste, oder von entfernteren Straßen quer durch die Stadt. Wenn der Leichnam schwer war, war das eine zusätzliche Belastung. Bei Regen war es auch keine reine Freude, im Winter bei glatten Wegen war es gar eine gefährliche Angelegenheit.

Im Jahr 1942 wurde der Leichenwagen dann doch angeschafft, der Männermangel in diesem Kriegsjahr zum Tragen des Sarges mag dabei eine Rolle gespielt haben. Die Toten blieben weiterhin zuhause aufgebahrt. Es wurde dabei manche Flasche Parfüm verspritzt, um den Geruch erträglich zu halten, da der Sarg offen blieb bis er kurz vor dem Abholen vom Schreiner verschlossen wurde. Das Bild zeigt den Leichenwagen mit den beiden Zugpferden, von der Spitalstraße her kommend.

Mein Großvater wurde im Jahr 1968 nicht mehr zuhause, sondern in der Katharinenkapelle aufgebahrt. Dies wurde gehandhabt, bis unter Pfarrer Landwehr neben dem Friedhof 1976 die Leichenhalle gebaut wurde. Dem Bau der Leichenhalle ging übrigens eine erbitterte Diskussion voraus, ob der Friedhof nicht verlegt werden sollte. Im Jahr 1977 wurde folgender Gemeinderatsbeschluss erlassen: "Nachdem keine Pferdegespanne mehr vorhanden sind und aufgrund der Leichenhalle beim Friedhof auch ein Transport nicht mehr erforderlich ist, beschließt der Gemeinderat, den Leichenwagen abzuschaffen".

1 Kommentar:

  1. August Spengler hat viele Jahre seine Pferde vor den Leichenwagen gespannt und dann den Leichenwagen gefahren.
    M. Z.-D.

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