Külsheim die Brunnenstadt.


Wie schön schreibt Emil Baader in "Heimatland", Heft 8.November 1927, über Külsheims Brunnen! Hören wir, wie er sie besingt.
"Zu den zaubervollsten Städtchen des Frankenlandes zählt Külsheim, die Brunnenstadt. In weltferner Einsamkeit liegt sie, eine einzige mächtige Burg, hoch überm Tal der Tauber, unweit der uralten Zisterzienserabtei; die Bernhard von Clairveaux gründete, wie die Legende berichtet. Wunderbar ist die Silhouette der kleinen fränkischen Stadt: Burg, Kirche und alte Dächer stehen in unvergleichlichem Rhythmus im Horizont. Wunderbar sind die schmalen Gassen und steilen Treppen, die emporführen zur Burg. Wunderbar sind die barocken Madonnen, die hernieder grüßen von Bildsäulen und von malerischen Häusern. Das Wunderbarste aber sind die B r u n n e n.
In allen Gassen rauschen und plaudern sie mit Wohllaut und Poesie. Da ist zunächst im Schatten mächtiger Bäume der K a p e l l e n b r u n n e n, ein uralter Dreischalenbrunnen, den das Städtchen als Wahrzeichen im Wappen führt als Stadtsiegel. Dieser Brunnen ist das Herz und die Seele der Stadt. Wir spüren, nur eine Zeit, die Sinn hatte für ganz innige Schönheit, die deutsche Gotik, konnte so rührend Schönes schaffen. Fällt die Abendsonne mit rotem Gold auf die Wasser des Brunnens, so kann man seinen ganzen Zauber erleben.
Unweit des Dreischalenbrunnens rauscht der barocke W e t b r u n n e n. Sein Becken wird von einer weiten Muschel gebildet. Aus vier Röhren ergießt sich das Wasser in das Becken. Auf der Brunnensäule aber, die reichen barocken Wappenschmuck trägt, thront das Bild des Auferstandenen. Wie schön ist dieser Brunnen in seiner barocken Fröhlichkeit und Frömmigkeit! Ein Gesang: Christ ist erstanden, ein Osterlied.
Am Markt rauscht der mächtige von Erzbischof Daniel Brendel von Homburg errichtete R a t h a u s b r u n n e n, geschmückt mit dem Löwen. Er besitzt eine Becken, groß, wie ein kleiner See.
Hier am Markt, im Zentrum des Städtchens, rauschen wiederum vier Röhren bei Tag und Nacht. Die Inschrift am Brunnenstock lautet: A l l e i n  G o t t  d i e  E h r. So rauscht der große Stadtbrunnen ohne Ende ein hohes Lied dem Ewigen. Wir wandern gaßaus  und gaßein, allüberall rauscht und singt es. O du fröhliche liebe Brunnenstadt! Manches ist anders geworden. Die 18 Stadttürme sind gefallen, das letzte Stadttor fiel 1890. Im Schloss keine Zehntgrafen mehr, die alte große Zehntscheuer steht noch und immer noch plaudert es wie in alter Zeit in allen Gassen; immer noch ist Külsheim, hoch und burghaft in weltferner Einsamkeit gelegen, die Stadt der rauschenden singenden Brunnen."
Sehr schön sind die Brunnen von Robert T r a u b, einem Külsheimer, jetzt in Salzburg, photographiert. Durch die überaus reichliche Wasserleitung sind die elf Springbrunnen wenig in Gebrauch, werden aber von der Stadt zur Zierde unterhalten. Aus den Resten eines Römerbades entspringt eine starke Quelle, die eine Röhre und den Obertorbrunnen speist.

Abschrift des obigen Zeitungsartikels. Zeitung und Erscheinungsdatum sind unbekannt, ca. 1930

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