Die Külsheimer Fehde

Zur Zeit des Grafen Johann von Wertheim soll in Külsheim ein Edelherr: Hans von Wixstein, gelebt haben, der sich als Raubritter besonders hervorthat und durch vielfaches Weglagern reich und mächtig geworden sei. Endlich zwang er sogar die Bewohner von Külsheim, ihm zum Zeichen der Unterthänigkeit zu huldigen. Das Unwesen desselben wurde immer ärger, sodaß endlich der Graf von Wertheim ein Heer sammelte, die Stadt umschloß und zu belagern begann. In einer Nacht träumte es der Frau des Ritters, wie die Glocken geläutet und vernehmlich zu ihr gesprochen:
    „Wixstein, Wixstein!
    Hans von Wertheim
    Nimmt die Stadt ein.“
Als sie dieses am Morgen ihrem Gatten mittheilte, lachte dieser und gab zur Antwort:
    „Hans von Wertheim
    nimmt sie nicht ein.“ 
Dann führte er seine Frau auf die Mauer der Stadt um ihr die Stärke der Befestigung zu zeigen. Als er aber einige Wachen schlafend fand, gab er ihnen derbe Faustschläge. Dieses erbitterte dieselben so, daß sie mit dem Feinde in Einverständnis traten; Stadt und Burg wird eingenommen und die Frau des Ritters erschlagen. Ihm selbst gelang es, nachdem er zuvor seine Schätze vergraben, zu entfliehen. Später soll man ihn in Böhmen gesehen haben. Seine gemordete Gattin geht jetzt im Schloße zu Külsheim als weisse Frau und warnt die Stadt, wenn ihr ein Unheil bevorsteht“.

Abschrift aus dem Archiv des historischen Vereins von Unterfranken und Aschaffenburg. Band HIV Heft I. Ein Beitrag von Archivrath A. Kaufmann zu Wertheim.   Aus den Aufzeichnungen des Pfarrers Zimmermann. Übertragen von Otto Spengler

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