Was der Bauer nicht kennt (Film von 1952/53)

Volkshochschulen (VHS) haben im zwanzigsten Jahrhundert in der Weiterbildung der Bevölkerung eine wichtige Rolle gespielt. Anfangs der 1950 Jahre kam die Idee auf, einen Dokumentar- und Werbefilm zur VHS-Arbeit im ländlichen Raum zu drehen. Drehort waren Külsheim und Gamburg, Darsteller wurden aus der einheimischen Bevölkerung gewählt.



Der Film hat in der Kategorie "Dokumentar- und Kulturfilme", Periode 1. September 1952 bis 31. August 1953, das Prädikat besonders wertvoll erhalten (Quelle)Regisseur war Wolf Hart, Auftraggeber war die Filmgesellschaft "Zeit im Film".

Es ist nur bedauerlich, daß die Darsteller einen orts-untypischen und für sie daher unnatürlichen Dialekt sprechen mußten, was manchmal etwas hözernklingt.

Film: "Was der Bauer nicht kennt...", Teil 1 (14:44 Minuten)
Film: "Was der Bauer nicht kennt...", Teil 2 (0:54 Minuten)

Warum wurde gerade Külsheim als Drehort gewählt?
Der Zuschlag ging nach Külsheim, weil es unter damals 280 Volkshochschul-Gemeinden die stärksten Besucherzahlen, die vielseitigsten Kurse und Veranstaltungen und die und die erfolgreichste Arbeit in der Erwachsenenbildung auf dem Lande aufzuweisen hatte, Von den damals 2.400 Einwohnern waren zum Stichtag 216 als Hörer eingeschrieben. Massgeblicher Initiator des Volkshochschulerfolgs war Jacob Schweitzer, der 1944 in Frankfurt ausgebombt worden war und der in der Folge in Külsheim tätig war. Zu Jacob Schweitzer wird ein gesonderter Artikel veröffentlicht werden in diesem Blog.

Die Fränkischen Nachrichten berichteten am 22 April 1952 über die Dreharbeiten und die Motivation:
"Das Eis wird gebrochen
Volkshochschul-Film entsteht in Külsheim und Gamburg
Ehrlich gestanden: (heute kann man es ja zugeben) die erste Meldung, daß in Külsheim “gefilmt würde”, hielten auch wir zunächst für einen Aprilscherz. Denn, ausgerechnet am 1. April erreichte uns diese Nachricht. Damit erging es uns nicht anders als einem Wertheimer Bürger, den Regisseur Wolf Hart am 1.April um seine Mitwirkung bei den Dreharbeiten des VHS-Filmes bat und der zunächst ebenfalls der Meinung war, man wolle ihn “in-den-April-schicken”. Erst das Aufkreuzen des ganzen Drehstabes konnte ihn vom Ernst der Sache überzeugen.
Gestern feierte Regisseur Hart mit seinen Mitarbeitern das “Bergfest”. Das heißt, man hat die Dreharbeiten zur Hälfte beendet. Und in reichlich zwei Wochen – so hofft man – soll der Film, der in allgemein gültiger Form die VHS-Arbeit auf dem Lande zeigt, fertiggestellt sein. Der Streifen, der eine Vorführdauer von etwa zwanzig Minuten haben wird, ist als Beiprogramm zu Spielfilmen gedacht. Das Drehbuch stammt aus der Feder von Wolf Hart selbst. Auftraggeber des Dokumentarfilms ist “Zeit im Film”. (Eine Schwester der bekannten Wochenschau “Welt im Film”.)
Der Regisseur führte uns bei unserem Besuch mitten hinein in die Problematik dieses Dokumentarfilmes. Und mit Problemen verschiedenster Art muß sich in diesem Film auch Wolf Hart auseinandersetzen. “Es soll ja kein Reportagefilm werden”, meint er, “sondern ein Streifen mit einer klaren, dramaturgischen Linie in kurzen, spielfilmhaften Episoden.”
Mit dem VHS-Film beschreitet Wolf Hart einen neuen Weg. “Eine Drehung um 180 Grad gegenüber dem Althergebrachten”, wie er es selbst bezeichnet. Nicht der “Aufbau einer Volkshochschule” steht im Mittelpunkt der Handlung, sondern die Reaktion all der Menschen, die in irgendeine Beziehung zur VHS-Arbeit treten. Der Regisseur holt sich seine Impulse aus dem Leben. Darum läßt er auch die Hauptdarsteller (Bauern aus unserem Kreis) sich mit den verschiedensten aktuellen Fragen beschäftigen. In Einzelszenen diskutieren sie z.B. Über die Flurbereinigung, Genossenschaftswesen, “Was an Behörden nicht gefällt” usw.
Das Wesentliche sind aber – wie gesagt – die Reaktionen. Der Film spiegelt eine ganze Reihe von Empfindungen wider: von der Ablehnung, Gleichgültigkeit, ja, Belustigung, bis zur allmählichen Wandlung der Stimmung und dem Beginn einer positiven Resonanz. Man könnte dem Film den Titel geben “Das Eis wird gebrochen”. In keiner Weise zeigt er aber – und das erscheint uns besonders wichtig – eine gefühlvolle Schönfärberei.
Gamburg wird Kulisse der Einzelszenen werden. “Edelkomparsen” spielen Leiter der VHS-Arbeit im Kreis Tauberbischofsheim, die in der kommenden Woche zu einer eigens zu diesem Zweck einberufenen Tagung dort zusammenkommen.
Über die Resonanz der Külsheimer Bevölkerung gegenüber den “Filmleuten” fand Wolf Hart nur anerkennende Worte. Eine anfängliche Reserviertheit habe sich innerhalb weniger Tage zu einem freudigen, fast begeisterten Mitgehen gewandelt. Ganz besonders dankbar ist der Regisseur aber Oberinspekteur Grosch, dem Leiter der VHS-Arbeit im Kreis Tauberbischofsheim, der mit feinem Verständnis für die verschiedenen Probleme das Unternehmen tatkräftig unterstützt.
Für uns alle ist aber die Tatsache, daß gerade in unserem Kreis ein derartiger Film gedreht wird, Ansporn, der VHS noch mehr Interesse und Bereitschaft zur Mitarbeit entgegenzubringen. Das Ziel von Oberinspektor Grosch: “VHS-Arbeit auch in der kleinsten Gemeine” ist durchaus keine Utopie mehr, sondern in vielen Fällen schon verwirklicht.
H.S."

Die Filmgesellschaft "Zeit im Film" hatte den Auftrag, die Selbstfindung der Deutschen zur Demokratie zu fördern. Sie war Teil der zweiten Phase der Re-Education, der so genannten Re-Orientation, entstanden unter dem Office of the High Commissioner for Germany (HICOG) in Zusammenarbeit mit deutschen Filmproduzenten ab Ende der 1940er Jahre.

In einfachen Sujets enthielten sie die Essenz der Menschen- und Bürgerrechte. Sie stellten eine Vielzahl von Lebenssituationen vor, in denen demokratisches Verhalten gelebt werden kann.  Quelle: http://www.politische-bildung-brandenburg.de/node/6442

Streitäxte und Schnüre

Eingebettet zwischen der Osterburker Straße und der Sudetenstraße liegt eine exakt 561m lange Straße, gesäumt von gepflegten Mehrfamilienhäusern. Ihre Seitenstraßen haben romantische Namen wie Gundelsheimer Straße, Adelsheimer Straße, Boxberger Straße, Weikersheimer Ring, Frankenstraße und Alemannenstraße. Parallel zu ihr führt die Buchener- und die Königshofer Straße. Wer jetzt denkt, diese Straße läge in Hardheim, Walldürn oder vielleicht Mosbach, liegt weit daneben.

Diese Strasse, mit dem stattlichen Namen Külsheimer Strasse, liegt in der Universitätsstadt Mannheim. Genauer, sie liegt nahe der A6 im Mannemer Stadtteil Wallstadt.

Warum aber inmitten der Strassen bekannter Orte und Gebiete die Atzelbuckelstraße ebenfalls auf die Külsheimer Strasse führt, noch dazu als Einbahnstrasse, erscheint rätselhaft. Der Atzelbuckel liegt bei Ilvesheim, knapp 4km von der Külsheimer Strasse entfernt, und ist mit dieser nicht verbunden. Am Atzelbuckel, dem Rest einer über 100m hohen Sanddüne, wurde sogenannte Schnurkeramik gefunden. Die Schnurkeramik ist durch charakteristische Gefäßverzierungen benannt, bei der mit einer Schnur umlaufende Rillenmuster in den Ton eingedrückt wurden. Die Schnurkeramik stammt aus der Kupfersteinzeit. Diese ist älter als die Bronzezeit, weitere Merkmale der Kupfersteinzeit sind Streitäxte. Was das mit Külsheim zu tun hat? Nichts, nehme ich an.

Aber vielleicht ist das ein Trugschluss, man lernt bekanntlich nie aus.

Erinnerungen von Leonhard Grimm an die Kriegshandlungen im Juli 1866 in Külsheim


Im Juli 1866 war ich 4 ½ Jahre alt und habe heute im 74. Lebensjahr noch folgende Erinnerungen:

Mein Elternhaus war das erste beim Eingang zum Hof. Hinter dem Hause war ein Wiesengarten. Wir bekamen eine große Anzahl Preußen als Einquartierung. Diese kochten nun nachts im Garten ab. Vorerst gruben sie etwa 12 meterlange tiefe Löcher und hängten ihre Kochkessel hinein. Dann machten sie große Feuer unter die Kessel. Diese 100te von Feuern, auch auf dem umliegenden Gelände, machten Nachts einen schauerlichen fürchterlichen Eindruck auf mich. Diese Feuerlöcher sah man zwei Jahre lang.

Die Preußen kamen von Hundheim und verjagten die Österreicher und Bayern gegen Hochhausen. Es heiß zuerst Külsheim wird zusammengeschossen, es war alles voller Angst. Wären die Gegner nicht ausgerissen, wäre wohl das Gefecht von Hundheim für hier mit größter Heftigkeit weitergeführt worden.

In den Häusern bei der Linde waren die Kürassiere einquartiert und hatten Appell im Hof der Ziegelei Grimm, wo heute der Bürgermeister Grimm wohnt. Ich sehe noch heute die in der Sonne blinkenden Kürasse. Ein krankes Pferd sah ich am Anfang des Schafhauswegs erschießen, wie es tot in den Wasserlauf fiel. Nun hörte man sagen der General Manteuffel mit seinen Kürassieren versammle sich am Rathaus. Da lief ich auch mit, den Mann sahen wir, aber von Teufeln nichts. Auf dem Schloßhof sah ich dann viel Militär die ihre Gewehre in Pyramiden zusammengestellt hatten

General von Manteuffel 
Die Preußen wollten absolut neue Kartoffeln. Ich ging mit dem Vater an den Gänshornacker, jetzt Ziegelei Wölfelschneider. Die Kartoffel standen üppig im Kraut, waren aber noch so klein, daß sie nicht zum Kochen taugten. Die Preußen wollten´s nicht glauben, der Vater sagte, sie sollen doch mitgehen auf den Acker und selbst sehen. Dem Schinkenfleisch waren die Preußen auch gefährlich, das hatte der Vater ins Taubenhaus ausgeräumt und die Zugangsbretter weggemacht. Unter den Soldaten war ein Lübecker Bäcker. Ein überaus freundliches kleines Bürschchen, der sich an mich heranmachte mit allerlei Kurzweil. Er zog mir seinen niedlichen Rock über meine Kleider an, schnallte mir den Säbel um und da war ich das erste Mal Soldat. Mit stolzem Bewußtsein hob ich, wie die Frauen ihre langen Röcke, meinen Soldatenrock hoch und schleifte den Säbel in der Stube herum. Als aber die anderen Soldaten sagten, ich müßte jetzt auch in den Krieg, da gabs Tränen. Der kleine Bäcker trocknete sie rasch, er zog seinen Rock wieder selbst an. Ich sehe noch heute im Geiste die vielen Soldaten mit Kanonen und Fuhrpark die alte Steige stundenlang hinaufziehen auf die Hohe Straße.

In Hundheim wurde dann später ein schönes, großes Denkmal errichtet wo wir Buben auch hin gingen es zu bewundern. Dann wurde uns gesagt, das sei eigentlich kein rechter Krieg gewesen, sondern mehr eine abgekartete Hasenjagd. Deutschland und Deutsch–Österreich sollte ein Reich sein. Der Kaiser von dem größeren Österreich wäre von Rechts wegen der Kaiser von Großdeutschland gewesen. Dieses passte dem Preußenkönig und seinem Bismarck nicht. Preußen wollte der Höchste sein, daher der Krieg in welchem der Preuße siegte und so Großdeutschland gespalten wurde.

Beim Kriegerdenkmal in Hundheim habe ich im Jahre 1879 ein Manöver erlebt. Es sollte der 1866 Krieg, in etwa das Hundheimer Gefecht, nachgeahmt werden. Es gab für uns junge Burschen tüchtig zu laufen um den Soldaten nachzukommen. Wir beobachteten dann, wie sie am Waldanfang in einer Mulde ein Carree (Viereck) von Infanterie bildete. Die vordere Reihe lag am Boden, andere Reihen knieten, die hinteren standen, alle das Gewehr im Anschlag. Ein Rittmeister führte eine Schwadron aus dem Wald über die Straße, welche auf das Carree zusprengte. Im Augenblick folgte Salve auf Salve, die Schwadron mußte eilig ausreißen. Die Manöver sind zugleich eine Prüfung über die Truppenführer. Es treten am Schluß die höheren Militärs zur Kritik zusammen. Der Rittmeister ein großer, rotbärtiger Mann, der die Schwadron in das Feuer des Carrees anführte ritt auf die Herren zu, wurde aber furchtbar abgekanzelt. „Was wollen denn Sie noch hier, Sie sind ja schon längst mit Ihrer Schwadron totgeschossen, lassen Sie sich doch mit Ihrer Dummheit begraben!“ Ich sah ihn weinen.

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Anmerkung zu Generalfeldmarschal Edwin von Manteuffel
Am 20. Juli 1866 übernahm Generalleutnant Manteuffel den Oberbefehl über die Mainarmee und die Leitung des Feldzuges gegen Süddeutschland. So schlug er Ende Juli bei Tauberbischofsheim die Württemberger und bei Gerchsheim und Roßbrunn die Bayern. Manteuffel erhielt für diese Leistungen den Orden Pour le Mérite, am 20. September 1866 wurde er zum General der Kavallerie ernannt.

Deutscher Bruderkrieg 1866 - Erlebnisse in Külsheim

Liegt es nicht in der Absicht, eine Geschichte über den ganzen deutschen Bruderkrieg zu schreiben, so verdient doch zu bleibendem Gedächtnisse, daß in diesem Buche verzeichnet werde, was man dabei in Külsheim erlebte.
Niemand ahnte oder dachte daran, daß der deutsche Bruderkrieg - Preußen mit seinen Verbündeten gegen die deutschen Bundestruppen - sich noch auf Külsheim und seine Umgebung ausdehnen werde. Vielmehr hielt man sich in dieser abgelegenen Gegend für ganz sicher vor Kriegsereignissen und dergleichen Verheerungen. Was man selbst Dienstags den 17. Juli 1866 noch nicht glaubte, traf aber doch schon am folgenden Tage wirklich ein.

Ankunft der Österreicher
Gegen alles Erwarten rückte am Mittwochn den 18. Juli 1866 gegen Mittag ein Bataillon der Kaiserlich Österreichischen Infanterie, welches von Miltenberg her gekommen war, in Külsheim ein. Diese Mannschaft bestand zum größten Teile aus Italienern, welche wenige Tage vorher ein Treffen gegen die Preußen bei Aschaffenburg mitgemacht hatten. Am Rathausplatze aufgestellt, wurde denselben von hiesigen Leuten Brot, Fleisch und Wein gebracht, was sehr willkommen war.
Diese Österreicher blieben dann für diesen Tag und die folgende Nacht hier, wurden jedoch nicht in den Häusern einquartiert, sondern nahm Quartier in der Schloßscheune. Am Abend kochten dieselben in den Kesseln der benachbarten Häuser, wozu das Fleisch und der Reis von Hundheim hergebracht wurde, denn bei Hundheim lag das Hauptquartier mit der ganzen Österreichischen Militärdivision. Im Waschkessel des Pfarrhauses wurde für 100 Mann abgekocht.
Am folgenden Tage, schon sehr frühe, ging das hier gelegene Österreichische Militär von hier ab gegen Uissigheim und an demselben Morgen zog die bei Hundheim gelegene Österreichischen Division mit dem Generalstab und klingendem Spiele hier durch. Da gab es des Sehens genug!

Das bisher Bemerkte war der Anfang von dem vielen anderen, was bald weiter folgte.

Ankunft der Badener
Schon Vormittags am Donnerstag den 19. Juli 1866 trafen Großherzoglich Badische Quartiermacher hier ein, ankündigend, daß auf Mittag das zweite und fünfte Infanterie-Regiment nebst Artillerie und dem Generalstab hier eintreffend Quartier nehmen werde. Dieses sogleich durch Schellenklang bekanntgemacht, erregte Angst und Furcht. Da standen die Leute auf der Straße umher und steckten die Köpfe zusammen, ohne laut zu werden. Dem Pfarrer wurde sogleich angesagt, daß er den Generalstab - Prinz Wilhelm und Prinz Carl von Baden - mit fünf Mann Dienerschaft ins Quartier bekomme und dazu noch 3 Pferde in den Stall.
Dieses angesagte Badische Militär traf auch bald nach Mittag hier ein. Da war´s ein Leben wie im vollen Kriege.
Hätte es der Anstand erfordert, daß der Gemeinderat die Stabsoffiziere am Rathauses empfangen und bewillkommt hätte, so verblieb jedoch derselbe in seinem Ratszimmer und schaute durch die Fensterscheiben.
Das Großherz.-Badische 5. Infanterie-Regiment erhielt sofort Quartier bei den Bürgern in der Stadt. Das 2. Infanterie-Regiment und die Artillerie sollte nahe bei der Stadt auf dem Felde Lager nehmen. Weil sich kein Mitglied der Stadtbehörde sehen ließ, um Auskunft zu geben, wo sich ohne große Beschädigung auf dem Felde Biwak nehmen lasse, so suchte sich das Militär solchen Platz selbst aus. Zum oberen Tor hinausgezogen, nahmen die Artillerie mit Kanonen, Pulverwagen etc. Platz auf den s.g. Dülle-Wiesen.
Von den Pfarräckern am Kirchhofe waren dazumal 2 ½ Morgen mit Winterfrucht bestellt, und war so schön, wie sie dieser Acker nie so schön hatte. Das hielt jedoch nicht ab, Lager darauf zu nehmen. Einer der Oberoffiziere ritt ein und kommandierte: "Vorwärts! Einmarschiert!". Obgleich die Soldaten es ungern taten, so mußten sie Gehorsam leisten. Es wurde sofort einmarschiert und die Frucht dann mit Säbeln niedergehauen. Aus dieser Frucht bauten sich die Soldaten Hütten und Lager, wozu sie die Bohnenstecken und Stangen aus den Gärten und Höfen holten.
Welchen Anblick des Greuels und der Verwüstung diese Pfarräcker darbot, läßt sich nicht beschreiben.
So also diente der Pfarracker an der Kirche vom 19. auf den 20. Juli 1866 zum Feldlager des Badischen Militärs und zwar zum ersten Male; bald nachher dann zum zweiten Male.

Ankunft von Württembergern
Am Samstag den 21. Juli 1866 rückte Königlich-Württembergisches Militär hier ein und zwar das 3. Reiter-Regiment nebst Artillerie. Es blieben diese über Sonntag bis Montagmittag hier, wo sie bei den Bürgern im Quartier lagen. Im Pfarrhaus hatte Rittmeister von Baumbach mit drei Dienern Quartier, nebst 5 Pferden im Stalle. Die Artillerie hatte ihre Kanonen, Pulverwägen und Feldschmiede wieder auf den Dülle-Wiesen stehen.
Hatte das bisherige schon ein kriegerisches Ansehen, so war dieses doch nur ein Vorspiel von dem, was kommen sollte.

Aufstellen der Bundestruppen gegen Preußen
Am Montag, den 23. Juli 1866, wo also das Württembergische Militär hier war, wurde gegen Mittag unerwartet Alarm gegeben. So schnell wie möglich, wurden die Pferde gesattelt und zum Abmarsche aufgezogen. Sie bekamen Befehl, sich zwischen der Straßenkapelle und Wolferstetten aufzustellen. Von allen Seiten her, zogen noch andere Bundestruppen dahin. In kurzer Zeit war die Richtung von Schweinberg bis Sonderriet mit Bundestruppen besetzt und eine Menge Kanonen auf der Straße aufgepflanzt. Auch zwischen Külsheim und Hundheim stand viel Militär, was man vom Speicher des Pfarrhauses aus sehen konnte, zumal schon am Judenbegräbnisplatze Pigauten standen. Die Badischen Truppen standen bei Hundheim. Das Gasthaus "Badischer Hof" hier, wurde sogleich zum Lazarett bestimmt und zum Zeichen dessen eine weiße Fahne ausgesteckt.
Unter solchen Verhältnissen war man in Külsheim voll der Angst und banger Erwartung, was da weiter kommen sollte. Man fürchtete, daß Külsheim bei etwaigem Rückzug der Bundestruppen ins Feuer kommen werde. - Gott aber hat es verhütet.

Gefecht bei Hundheim
Nachdem die Bundestruppen in besagter fester Stellung blieben, so wurden doch plötzlich die Gemüter in Bewegung gesetzt, als gegen Abend in der Richtung gegen Hundheim Kanonendonner und Gewehrfeuer vernommen wurde. Man hat dann bald erfahren, daß unterhalb Hundheim am Sonderrieter Walde die feindlichen Preußen vorgedrungen seien und das Badische Militär vom 5. Infanterie-Regiment nebst Badischer Artillerie auf Kommando des Oberbefehlshabers Prinz Wilhelm von Baden, Feuer gegeben habe, worauf sich die Preußen mit vielem Verluste wieder zurückgezogen habe.
Bei diesem Gefechte bei Hundheim sind übrigens auch Badische gefallen. Vor Nachts noch wurden Verwundete und Tote vom 5. Infanterie-Regiment ins Lazarett hierher gebracht und zwar wurde tot hierhergebracht: 1. Oberleutnant Carl Vögelein und 2. Soldat Bernard Winterhalter von Röthenbach, Amt Neustadt, welche beide auf dem Gottesacker hier beerdigt wurden. Auf  Regursition des Vaters und der Ehefrau des Oberleutnants Vögelein, wurde jedoch derselbe wieder ausgegraben und nach Durlach verbracht.
Im Lazarette hier starb Soldat Michael Neureuter von Mühlbach, Amt Eppingen, und wurde sofort hier beerdigt.

Rückzug der Bundestruppen
Bald nach dem Gefechte bei Hundheim am 23 Juli 1866 zog sich das ganze Badische Contingent bei eintretender Nacht nach Külsheim zurück. Das war ein furchtbares Kriegsgetümmel und Külsheim wurde dicht mit Militär angefüllt. Sowohl die Häuser wurden voll, als auch der Pfarracker bei der Kirche, zum zweiten Male zum Feldlager dienen mußte. Die Dülle-Wiesen und ein großer Teil der Äcker gegen die Frankenbrücke wurden zum Biwak verwendet. Der dadurch angerichtete Schaden war groß. Rings um Külsheim waren viele Wachtfeuer die Nacht über.
Da die Preußen schon am Montag den 23. Juli 1866 abends oder in der Nacht nach Abgang der Bundestruppen in Hundheim einrückten, so war Külsheim in neuer Gefahr, entweder in der Nacht von den Preußen überfallen zu werden, oder daß sich am folgenden die Bundestruppen bei Külsheim Stellung nehmen würden und sofort Külsheim erst recht ins Kriegsgedränge käme, oder gar der Schauplatz eines Schlachtfeldes werden könnte. - Doch auch dieses wendete Gott ab und man kam mit dem Schrecken und der Angst wieder davon.
Daß übrigens die Angst nicht ohne Grund war, ergab sich daraus, daß später mehrere preußische Offizier versicherten, daß es im Plane lag, bei Külsheim ein Haupttreffen gegen die Bundestruppen zu liefern.
Die Bundestruppen und insbesondere die badischen Truppen, welche in und um Külsheim lagen, zogen am Dienstag den 24. Juli 1866 schon ziemlich frühe von Külsheim ab, ohne die Ankunft der Preußen abzuwarten. Sie nahmen ihren Marsch von hier über Uissigheim nach Hochhausen. Man sollte übrigens nicht lange ohne Soldaten sein. Bald nachher rückten schon Preußen ein.

Ankunft der Preußen
Nachdem, wie angegeben, die badischen Truppen schon am 24. Juli 1866 frühe beizeit abgezogen waren, so ließen sich schon gegen 9 Uhr vormittags Preußen blicken. Es schwärmten zuerst preußische Husaren außerhalb der Stadt im Felde und Gärten herum; später sprengten solche einzeln in die Stadt mit gespanntem Hahne ihrer Pistolen oder Karabiner und durchritten alle Gassen sich nach Bundestruppen erkundigend. Nach den einzelnen Husaren sprengten dann auch mehrere ein, während preußische Infanterie am Bierkeller stand. Nach 10 Uhr marschierte auch Infanterie ein und lagerte sich außerhalb des oberen Tores. Külsheim galt jetzt als eroberter Schwertstreich.

Durchzug der Preußen
Als nach kurzer Rast die Avantgarde weiter über Uissigheim dem Taubergrund zu abgegangen war, so rückte erst dann die Hauptmacht der Preußen nach, und ohne Aufenthalt weiter. Von etwa ½ 12 Uhr mittags an, bis abends 6 Uhr zogen die Preußen in allen Waffengattungen ununterbrochen und in gedrängter Masse im Eilmarsch hindurch. Es war schauerlich, dieses Kriegsgetümmel anzusehen und durch seine Andauer sehr ermüdend und bestäubend.
Während dieses Durchzuges hörte man schon fortwährend stark Kanonendonner von Hochhausen her, bis gegen Abend, um so mehr eilten die Preußen dahin und wurden zurückreitende Adjutanten zum Eilmarsche aufgefordert.
In Külsheim war man froh, die Preußen so schnell durch und davon marschieren zu sehen, und hätte sich gerne damit begnügt, sie gesehen zu haben. Aber es kam anders.

Rückkehr der Preußen
Weil die Preußen bei Hochhausen und Tauber­bischofsheim von Seiten der Bundestruppen - in Hochhausen und Werbach von den Badischen, und in Tauberbischofsheim von den Württembergern - kräftigen Widerstand fanden und die Nacht herbei­kam, so blieb ihnen nichts anderes übrig, als das Treffen einzustellen und den Rückmarsch anzutre­ten. Sie eilten daher in die benachbarten Orte, dort zu übernachten, und so geschah es, daß mit einbre­chender Nacht auch Külsheim mit Preußen überfüllt wurde. Man fragte nicht nach Billetten, sondern es hat sich das Militär selbst einquartiert. Wo sie ein großes Haus sahen, da schickten sie viele Soldaten hinein.. Noch nachts zwölf Uhr kam ein Kürasier-Regiment hier an und nahm Quartier. Durch diese unangesagte und unerwartete Einquartierung kamen viele Bürger in Verlegenheit, weil sie sich nicht darauf richten konnten.
Im Pfarrhause waren 7 Offiziere und 33 Mann im Quartier. Es mußte daher die ganze Nacht hindurch gekocht werden.
Sehr viele Preußen mußten im Freien campieren. Der Pfarracker bei der Kirche diente sofort, zum dritten Male zum Lagerplatze.

Abmarsch der Preußen
Am Mittwoch den 25. Juli 1866 frühe, und zum Teil schon sehr frühe, zogen die sämtlichen Preußen von hier ab, abermals nach Hochhausen, Werbach und Tauberbischofsheim, um Platz zu machen für nachfolgende Truppen.

Ankunft und Abgang der Lübecker
Noch an demselben Tage - 25. Juli rückte mittags das Lübecker Infanterie Bataillon zum Quartier hier ein. Es waren das sehr brave Leute, welchen es aber so wenig um den Krieg war, als man hier ihn nicht wünschte. Es gingen diese mit schwerem Herzen von hier ab, dem Kriegsschauplatz in Bischofsheim zu, schon am anderen Morgen.
Weitere Einquartierung folgte am Samstag den 28. Juli 1866, bestehend aus einigen Compagnien Ersatzmannschaft aus Westfalen, die auch nur über Nacht hier blieben. Es waren dieses zum Teil, schon ältere und verheiratete Leute, zum Teil ganz junge, - noch Rekruten. Diesen Allen war es nicht um den Krieg und sie waren besorgter um ihr Leben und ihre Familien, als Länder rauben zu helfen. Meistens gute Katholiken, beteten sie andächtig in der Kirche hier.
Ein preußischer Feldgeistlicher sagte im Vertrauen, daß in Preußen nur noch alte Leute und junge Leute zu Hause sind. Alle brauchbare Mannschaft sei zum Krieg beigezogen worden.
Hoffte man, daß jetzt die Einquartierung für hier ein Ende haben wird, so geschah es doch nicht so.
Als am 25. Juli 1866 die Preußen von hier abzogen, so hofften sie, noch an demselben Tage gegen Abend in Würzburg einziehen zu können. Aber haben sich sehr getäuscht. Der Widerstand von Seiten der Bundestruppen in Hochhausen, Werbach und Tauberbischofsheim, dann besonders das Treffen in Üttingen von Seiten der Bayern hinderte ihren Lauf. Die meisten Preußen sahen Würzburg gar nicht und kamen nur bis Großrinderfeld, Gerchsheim bis Höchberg. Hier nahm der Krieg sein Ende, und es ging retour.

Rückmarsch der Preußen
Am 5. August 1866 zogen daher einen ganzen Vormittage Preußen vom Taubergrund her hindurch nach Miltenberg zurück.
Von dem Lübecker Bataillon kommen 2 Compagnien an dem selben Tag nach Külsheim zurück und verblieben vom 5. bis 10. August 1866 hier.
Noch zweimal erfolgte dann Einquartierung von Preußen hier und zwar am 30. und 31. August und es war dann diese Last zu Ende.

Requirierung der Preußen
Was die Preußen außer ihrer List im Kriege sehr gut verstanden haben und praktiziert ist: das Requirieren von Lebensbedürfnissen. Nachdem dieselben am 24. Juli 1866 kaum recht in Külsheim eingedrungen waren, so stellten sie schon den Requisition an die Gemeinde auf, folgenden Morgen nach Uissigheim zu liefern:

1.     3.000 Pfund Brot
2.     15 Ochsen
3.     500 Pfund gebrannten Kaffee
4.     200 Zentner Haber
5.     200 Pfund Reis und
6.     2.000 Pfund Erbsen oder Linsen und Bohnen.
-was sofort auch geliefert wurde.
Später mußte nochmals geliefert werden 8 Ochsen und als beim Rückzug derselben keine Ochsen mehr vorhanden waren, so forderten sie und begnügten sich mit mehreren Rinder und anstelle Haber mit Dinkel.  Daß auf diese Weise die Lebensmittel teuer wurden, bedarf keiner Erwähnung. Verkauft wurde Haber pro Zentner a´ 8 fl.

Leistung von Kriegsfuhren
Eine Kalamität verursachte dieser Krieg, weniger für die Gemeinde, als mehr für den Einzelnen, die requirierten Fuhrwerke zu leisten zum Transporte der Gepäcke, Lebensmittel und kranker Soldaten. Da es an Pferden fehlte, so mußten Ochsen- und Kühbauern fahren. Hieß es hier, nur bis Bischofsheim fahren, so hieß es dort, weiter und weiter und so kamen sie bis Kist und Höchberg bei Würzburg, wo Mann und Vieh Tag und Nacht auf freiem Felde ausharren mußten bei schlechtem Wetter. Es blieben so mehrere 5 - 7 Tage aus. Welche Camalität dies war für die Frauen und Kinder läßt sich denken.

Entschädigung für Feldschaden
Nach beendigtem Kriege kam eine Comission, den Schaden auf den Feldern der Gemarkung in Külsheim zu schätzen.
Der Gesamtschaden der hiesigen Gemarkung bezeichnete sich auf - 1.238,20 fl.
Der Pfarrer bekam für seinen beschädigten Fruchtacker nebst Klee - 226,17 fl.
Die Bezahlung für die Einquartierung fiel im Durchschnitte gering aus und kamen dabei viele Unregelmäßigkeiten vor, was in manchem hätte verhütet werden können.
Die Preußen zahlten für Einquartierung über Nacht vom 24. auf 25. Juli 1866 - 2.219,05 fl., woraus sich schließen läßt, daß deren sehr viele hier lagen.
Wieviel weiter von diesen und auch von den anderen hier einquartierten Truppen bezahlt wurde, ist dem Schreiber dieses nicht bekannt geworden. 

Unterstützung
Es ist leicht erklärlich, daß durch die unerwarteten und schnell aufeinander folgenden Einquartierungen vom 23. Juli der Badener, und 24. Juli der Preußen in übergroßer Zahl der Mundvorrat zu Ende ging. Manche Leute hatten kein Brot und Fleisch mehr. Die Wirte hatten kein Bier mehr und auch nur noch Wein übrig, da sie gezwungen waren, in Quantum an das Militär abzugeben. Die Metzger konnten nicht schnell genug schlachten und den Bäckern nicht möglich, soviel Brot zu backen, als verlangt wurde. Auch nach Abzug des Militärs war dann der Mangel fühlbar.
Kaum war dies in jenen Gegenden bekanntgeworden, welche vom Krieg verschont blieben, so hatten sie Mitleid mit den Kriegsbedrängten und taten Schritte, Hilfe zu leisten. Es ward darin sehr Vieles getan, für hier und alle anderen Orte, die durch den Krieg in Not kamen.
Hierher kam bald schon eine Fuhre Brot von Buchen. Diesem folgten ganze Fuhren mit Mehl und Brot von anderswoher; auch Frucht, Fleisch, Reis kam an, was sofort an die Ortseinwohner verteilt wurde. Selbst auch Kaffee und Schinken sollen angekommen sein; von einer Verteilung des Kaffees und Schinken hat man aber nichts erfahren.
Vom Erzbischöflichen Ordinariate wurde für die vom Krieg heimgesuchte Gegend in allen katholischen Kirchen der Erzdiözese angeordnet, eine Collecte zu veranstalten und an das Erzbischöfliche Dekanat zu Großrinderfeld abzuliefern. Diese kirchliche Collecte ergab 12.000 fl. wovon 700 fl. Külsheim zugeteilt wurden.
Die christliche Caritas zeigte sich auf die Weise in schönstem Lichte!

Verfahren zur Einquartierung
Noch verdient das Verfahren bei Verteilung der Einquartierung bemerkt zu werden. Dem Vernehmen nach und wie man es selbst gefunden hat, haben es diejenigen, welche die Verteilung der Einquartierungen zu besorgen hatten, nicht so genau genommen, wie es hätte geschehen sollen. Mehrfach hörte man Beschwerden darüber, daß gering Vermögende mehr Soldaten zur Einquartierung erhielten, als die Reicheren. Die Herren des Ruders wußten sich zu schonen dabei.
Für Offiziere wußte man nur Quartier zu finden bei dem Herrn Pfarrer, Herrn Dr. Lumpp und dem Herrn Apotheker Eichhorn, Waisenrichter Löhr, Kaufmann Englert und einigen Wirten. Keine Einquartierung geschah, ohne daß die Genannten mit Offizieren reichlich bedacht wurden. 

Schlußbemerkung
Wer noch keinen Krieg erlebt und auf diese Weise mitgemacht hat, macht sich keinen Begriff von dessen Beschwernissen. Nicht nur Angst und viele Sorgen verursacht er, sondern auch viele Kosten. Soldaten und Nichtsoldaten sind dabei geplagt.

-- Nichts geht über den Frieden! --

Mit tiefster Andacht soll man daher beten:

„Bewahre Gott uns vor Krieg - und seinen Folgen: Krankheit und Hungersnot! Mäßige den Hunger der Fürsten nach Ländern, und erhalte Fürsten und Völker in Eintracht und Frieden zu aller Zeit.“

Aus den Aufzeichnungen des Pfarrers Zimmermann

Übertragen von Otto Spengler

Burgkurzweyl zu Cullesheim 2016

Hört, hört! Auch in diesem Jahr ist die Burgkurzweyl zu Külsheim wieder ein vorzüglich Spektakel mit viel Liebe zum Detail. Doch sehet selbst: